Carlos der Schakal

Carlos der Schakal

Regie: 
Olivier Assayas
Darsteller: 
Édgar Ramírez
Alexander Scheer
Scheer, Nora von Waldstätten
Christoph Bach
u.a.
Drehort: 
Wien
Budapest
Beirut
Karthum
Synopsis: 

Regisseur Olivier Assayas will nicht kleckern, sondern klotzen. Sein Portrait des Terroristen Carlos, 20 Jahre lang gesucht als der gefährlichste Terrorist der Welt, dauert in der „kurzen“ Kinofassung knappe drei Stunden und dehnt sich als TV-Dreiteiler auf fünfeinhalb Stunden aus. Das Ergebnis lässt sich am Besten mit Der Baader Meinhof-Komplex vergleichen. Denn wo der deutsche RAF Film kürzen musste, nimmt sich Carlos - Der Schakal viel Zeit um Aufstieg und Fall eines Terroristen zu schildern – in all seinen Facetten.

Ilich Ramírez Sánchez, der Welt bekannt als Carlos (Edgar Ramirez), ist ein Phänomen. Spätestens seit seinem maßgeblichen Engagement beim Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier in Wien, ist er berüchtigt und weltweit gesucht. In Folge macht er den Terrorismus zum Geschäft. Neben eiskalten Morden wird er auch zum Organisationstalent und versteht seine Gruppe als Firma. Ausserdem ist er Frauenheld, Charmeur und Führungsfigur. Doch nach Jahren im Geschäft und nach dem Ende des Kalten Krieges wollen ihn seine ehemaligen Verbündeten loswerden. Denn Carlos ist nur mehr ein Relikt einer vergangenen Zeit und passt nicht mehr ins moderne Weltbild…

Carlos - Der Schakal ist weniger als detailgetreue, akribische Rekonstruktion des Lebens seiner Hauptfigur zu verstehen, sondern eher als Versuch die Essenz dieser Persönlichkeit aufzuspüren. Assayas bewegt sich in Schlangenlinien, entwirft seine Ansichten vom damaligen Zeitgeist und wagt einen Versuch zu interpretieren wie sich die bekannten Anschläge im Detail abgespielt haben könnten. Getragen von einem vortrefflichen Edgar Ramirez und den fesselnden Bildern erzeugt Carlos - Der Schakal eine Wucht, der man sich nur schwer entziehen kann.

Dabei erweist sich der Film als äußerst vielschichtig. Das erste Drittel zeigt den Aufstieg des Terroristen, der über erste Mordanschläge Erfahrungen sammelt, das zweite Drittel zelebriert den Mythos Carlos, inklusive der vortrefflichen Inszenierung des OPEC-Anschlags samt anschließender Flugzeugentführung (die Szenen in Wien gehören zu den besten des Films) und im letzten Drittel nimmt sich der Film noch einmal Zeit um den zuvor aufgebauten Mythos genussvoll zu zertrümmern und den ehemaligen Terroristen als aufgedunsenen, sich versteckenden Störkörper im Weltgeschehen zu offenbaren.

Carlos - Der Schakal gibt sich dabei als äußerst abwechslungsreicher Film, der es versteht die politische Ebene mit dem Terrorismus zu verweben und dubiose Machenschaften anzusprechen. Dabei versteht es Regisseur Assayas gekonnt die fiebrige Atmosphäre des Kalten Krieges heraufzubeschwören und eine Weltpolitik voll Misstrauen und Abgründen zu schildern. Die rasante Inszenierung, inklusive eines sehr nahen Blicks auf das Wesen des Terrorismus, sorgt dafür, dass diese Schilderung auch für weniger polit-interessierte Zuseher spannend bleibt.

Lediglich im letzten Drittel geht dem Film etwas die Luft aus. Zwar macht auch dies aus künstlerischer Sicht Sinn, da man zuvor den Mythos zum Leben erweckte, nur um gleich darauf das Starimage des Terroristen zu unterwandern und jegliche Revolutionsromantik im Keim zu ersticken, aber man muss auch erwähnen, dass sich einige Längen eingeschlichen haben, die den Ausklang der Geschichte etwas zäh erscheinen lassen. Nichtsdestotrotz ist Carlos - Der Schakal eine faszinierende Annäherung an einen Mythos und schafft es mit purer kinetischer Energie zu überzeugen.

Fazit:
Carlos – Der Schakal ist ein wahres Epos. Der Film nimmt sich ausserordentlich viel Zeit um den Mythos des legendären Terroristen zu ergründen und schließlich zu demontieren. In eindringlichen Bildern und getragen von famosen Darstellern schafft es der Film einen unglaublichen Sog aufzubauen und den Zuseher fast über die ganze (beträchtliche) Laufzeit zu fesseln. Lediglich im letzten Drittel häufen sich kleine Längen und einige unrunde Szenen. Doch ansonsten ist Carlos – Der Schakal ein schlicht umwerfender Film, den man sehen sollte.

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=1XimXwhpwOY