Der Kardinal

Der Kardinal

Tellux Film
Regie: 
Andreas Gruber
Darsteller: 
August Zirner
Erwin Steinhauer
Edmund Jäger
Joachim Bißmeier
Martin Maria Abram
Stefanie Dvorak
Jürgen Hentsch
Drehort: 
Wien
Niederösterreich
Synopsis: 

Der Film spürt einem der bedeutendsten Österreicher des 20. Jahrhunderts nach. Kardinal König war nicht nur jahrelang Erzbischof Wiens, sondern gilt auch als Brückenbauer und Symbol des interkulturellen Dialogs. Kardinal König (August Zirner) schreibt das Schild "Achtung Cholera" auf Russisch, um die russischen Soldaten fernzuhalten. Brückenbauer, moralisches Gewissen des Landes, Wegbereiter der Ökumene und des interreligiösen Dialogs - das sind nur einige der Attribute, die Kardinal Franz König (1905-2004) zugeschrieben werden. Der langjährige Erzbischof von Wien war eine der prägendsten Persönlichkeiten Österreichs im 20. Jahrhundert - einerseits von vielen geschätzt und respektiert, andererseits wegen seiner Haltung von konservativen Kreisen angefeindet. Für den Film "Der Kardinal", der am Donnerstag, dem 23. Juni 2011, um 21.20 Uhr in ORF 2 zu sehen war, zeigt Regisseur Andreas Gruber das bewegte Leben des als Bauernsohn geborenen, weltoffenen und redegewandten "Jahrhundertkardinals". Der Film - eine Koproduktion von Tellux Film, ORF, 3sat, Autentic und BMUKK, gefördert von Fernsehfonds Austria, Kultur Niederösterreich, Filmförderungsfonds Wien; Kulturland Oberösterreich und dem Katholischen Filmwerk - zeigt aber auch die Konflikte in Königs Wirken, stellt seine Gegner dar, die mehr als einmal Königs Zurückhaltung und Toleranz auszunutzen wussten. Der Film entstand in enger redaktioneller Zusammenarbeit zwischen der ORF-Hauptabteilung Religion mit der Hauptabteilung Fernsehfilm. Gedreht wurde im September 2010 u. a. im Erzbischöflichen Palais und im Wiener Stephansdom sowie in der Benediktiner-Abtei Stift Altenburg, dargestellt wird der Kardinal von August Zirner, der u. a. in Stefan Ruzowitzkys Oscar-gekröntem Film "Die Fälscher" zu sehen war. Das Wirken des "roten Kardinals", wie er von manchen abschätzig, von anderen wieder respektvoll genannt wurde, steht für die Annäherung der römisch-katholischen Kirche an die österreichische Sozialdemokratie genauso wie für den Dialog mit den kommunistischen Staaten in Osteuropa. Kardinal König hat mehr als einmal Geschichte geschrieben - und war ebenso oft harter Kritik ausgesetzt. Die filmische Erzählung beginnt mit Königs schwerem Autounfall in Kroatien 1960, der ihm seine Aufgabe vor Augen führt, in Osteuropa aktiv zu werden. 1945 - Kardinal König (August Zirner) und ein Arzt (Wolfgang Zechmayer) öffnen Flüchtlingen die Türe. Im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit Als Vermittler während des Kalten Krieges kommt der Wiener Kardinal in den folgenden Jahren immer öfter ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. So versucht er, in einer mühevollen Mission den ungarischen Primas József Mindszenty, der seit 15 Jahren im selbst gewählten Asyl in der amerikanischen Botschaft in Budapest lebt, aus Ungarn herauszuholen. Dabei gerät König in den Konflikt zwischen die realpolitischen Interessen des Vatikans und den Erhalt der Menschenwürde des verbitterten Primas von Ungarn, der sein Land unter keinen Umständen verlassen will. 1967 – Besuch Bruno Kreiskys (Peter Lerchbaumer) bei Kardinal König (August Zirner) im Erzbischöflichen Palais. Annäherung an die österr. Sozialdemokratie Zur selben Zeit findet Franz König in dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky einen kongenialen Gesprächspartner. Die beiden leiten eine beispiellose Annäherung zwischen der römisch-katholischen Kirche und der SPÖ ein, ein Verhältnis, das seit dem Bürgerkrieg 1934 in Österreich schwer belastet war. Kardinal König und Kreisky beginnen den Dialog - und zerstreiten sich heillos in der Frage der Fristenlösung. Dennoch bleibt die Versöhnung mit der Sozialdemokratie eine bleibende Errungenschaft, die auf Königs Wirken zurückgeht. Gleichzeitig steigt Königs Bedeutung in der Weltkirche. Als eine der Galionsfiguren des Zweiten Vatikanischen Konzils gilt er schon bald als "papabile", als Papstkandidat. Dabei ist König eher ein "Papstmacher". Erst durch seinen Vorschlag wird Karol Wojtyla 1978 zum Papst gewählt. Franz König hat davon buchstäblich - nichts. Gute und falsche Freunde des Papstes denunzieren König, kratzen an seinem Lebenswerk. Umstrittene Bischofsbestellungen stürzen die katholische Kirche Österreichs in eine Krise. Königs Bemühen um eine Stärkung der Ökumene und eine lebendige Kirche unter Einbeziehung der Laien wird u. a. durch seinen Nachfolger, Kardinal Groer, beschädigt bzw. infrage gestellt. Als dieser anhaltenden Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ausgesetzt ist, kommt es in Österreich zu einer beispiellosen Kirchenaustrittswelle. Toleranz und Vertrauen Die Frage nach Vertrauen und Misstrauen, wie weit Toleranz gehen kann, ohne dass sie ausgenutzt wird, ist ein Lebensthema Kardinal Königs und damit ein zentrales Motiv dieses Films, der auch den Brüchen in Königs Lebenslinien folgen will. König war kein Mann der dramatischen Geste, er zog sich stets zurück, bevor er sich wichtigen Fragen stellte, und er kehrte gestärkt zurück, als einer, der mutig genug war, ohne Vorbehalte und politisches Lagerdenken auf alle zuzugehen.